Hoch zur Winkelalm

Hoch zur Winkelalm

Die Rundtour am Zahmen Kaiser bietet jede Menge Abwechslung, nach einem gemäßigten Anstieg zur Winkelalm ist auf den steilen Pfaden zur Jofenalm Trittsicherheit gefragt. Ausklingen lässt man die Tour schließlich bei der Einkehr in einer der bewirtschafteten Almen rund um den Sessellift, bis es wieder zurück in das Tal geht.
TEXT & Foto: Heiko Mandl
Während am bekannten Wilden Kaiser meist die schroffen Felsen das Landschaftsbild dominieren, erscheint sein zahmer Bruder etwas gemäßigter. Der Name kommt ja nicht von ungefähr! Über dem Walchsee befinden sich einige Wanderungen, die meist über gemäßigte Wanderwege durch tiefe Wälder und grüne Almen gehen. So auch die genüssliche Rundtour über die Winkelalm, die auch für Familien gut geeignet ist und mit einem kühlen Bad am See ihren Abschluss finden kann. Im Hochsommer besticht die Wanderung durch ihre schattigen Passagen. Einzig eine Einkehr sucht der Wanderer beim Aufstieg vergeblich. Dafür gibt es viele einsame Plätze für eine Rast und zum Verweilen.
Ausgangspunkt der Tour ist der Parkplatz in Durchholzen am Fuße des Liftes und der Sommerrodelbahn. Von dort aus geht man zuerst durch den Ort durch, bis man schließlich nach einem Parkplatz an einem Schranken vorbei auf eine Schotterstraße gelangt. Der Weg führt die erste Zeit durch einen Wald und mündet schließlich auf einer großen Wiese. Man folgt weiter dem Hauptweg, der sich flach in das Tal hineinzieht. Schließlich kommt man nach knapp einer Stunde bei der Großpointneralm (928 m) an. Hier ändert sich fortan auch der Untergrund der Route, dem Schotterweg folgt ein Wanderpfad, der in Folge immer steiler wird. Schließlich erreicht man die Winkelalm (1192 m), die geschützt am Rande eines flachen Kessels liegt.
Die Winkelalm ist Ausgangspunkt von Touren und Klettersteigen mitten in das Herz des Zahmen Kaisers. Die Alm ist leider nicht bewirtschaftet, ist aber ein guter Punkt, um eine Rast einzulegen, das Panorama zu den hohen Gipfeln ein paar Stockwerke weiter oben ist atemberaubend.
Von der Winkelalm biegt man schließlich nach rechts ab und geht den schmalen Pfad ein paar Meter bergab, bis dieser schließlich über eine breite Schotterhalde wieder steiler ansteigt. Hier ist Vorsicht geboten, der Schotter ist zum Teil sehr lose und kann rutschen. Besonders bei feuchter Witterung ist hier Rutschgefahr angesagt. Am Ende der Halde führt der Weg in kurzen steilen Serpentinen, geschützt durch das Unterholz weiter bergauf. Von der Jovenalm (1300 m) geht es jetzt über einen sehr steilen Wanderpfad durch einen Wald bergab. In kurzen Serpentinen führt die Tour in eine Senke, die in einer Almlandschaft mündet. Von dort aus kann man anschließend – sich rechts haltend – zur Bergstation des Sesselliftes gehen oder links einen Abstecher zur Aschinger Alm machen.
Der Weg zum Sessellift führt flach durch einen Wald, man hat auch die Möglichkeit, bei der Bergstation in dem dazugehörigen Restaurant einzukehren. Wer bereits müde Beine hat, der kann mit dem Lift – sofern er offen hat, im Sommer meist immer – in das Tal fahren. Zu Fuß nimmt man einfach die Forststraße, die in Serpentinen unter dem Lift bergab führt. Die letzten Meter sind dann noch auf der Asphaltstraße durch den Ort zu gehen, bis man am Parkplatz bei der Talstation ankommt. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Walchsee. Der warme Gebirgssee lädt bei sommerlichen Temperaturen zu einem kühlen Bad ein. Wer noch nicht genug hat, kann aber auch der Schwemm, einer Moorlandschaft unweit der Wanderroute, einen Besuch abstatten.

Durch den Kaiser

Durch den Kaiser

Die Runde unter den Felswänden des Wilden Kaisers ist bis auf das Stück über den Jubiläumssteig und Teile hoch zur Goinger Halt relativ leicht zu begehen. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte diese Passage nur mit Vorsicht gehen. Höhepunkt der Tour ist die Hintere Goinger Halt, die vom Kübelkar aus leicht zu begehen ist.
TEXT & Foto: Heiko Mandl
Ausgangspunkt der Tour ist die Wochenbrunneralm (1087 m). Sie ist von Ellmau aus leicht über die Mautstraße zu erreichen. Vom Parkplatz aus geht man zunächst über freie Flächen bergauf und erreicht schließlich einen Wald, den man auf dem markierten Pfad durchquert. Schließlich wird der Wald lichter und ab einer Höhe von ca. 1.300 Metern ist die Baumgrenze erreicht. Weiter führt der Weg über eine große Schotterhalde bergauf. Nach kurzer Zeit kommt man schließlich auf einen Sattel und kann Richtung Osten schon den Gruttenkopf (1584 m) gut sehen. Der Weg führt beim Gruttenkopf vorbei weiter und wird flacher. Man kann dann schon die Gruttenhütte gut erkennen. Man folgt dem Pfad, der flach direkt zur Hütte führt. Die Hütte ist auch Ausgangspunkt für einige Tourenvarianten, zum Beispiel hoch zur Ellmauer Halt oder zum Kopftörl. Die Hütte wurde 1899 erbaut und am 14. Juli 1900 eröffnet. Schon bald darauf wurde die Hütte durch eine Veranda und einen Stall erweitert. 1925 in-stallierte der damalige Hüttenwirt einen Steig Richtung Ellmauer Tor, den heutigen Jubiläumssteig. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Hütte geschlossen und nach der Grenzöffnung wieder in Stand gesetzt. Bis heute wurde die Gruttenhütte immer wieder modernisiert und umgebaut und ist ein beliebtes Wanderziel.
Richtung Gaudeamushütte gibt es zwei Wegvarianten, entweder über das Klamml nach Osten oder über den darüber liegenden Jubiläumssteig in das Kübelkar, das bergauf Richtung Ellmauer Tor führt. Der erste Eindruck trügt noch, geht es anfangs relativ flach Richtung Nordosten. Aber schon bald geht es kurz bergab und dann klettert man über Eisenleitern steil bergauf. Danach geht es mehrmals bergauf und bergab und schließlich kommt man zu einem Felsschlurf, den man passiert, um anschließend einige kurze gesicherte Passagen zu klettern. Schließlich wird der Weg wieder technisch einfacher und man erreicht eine Wegverzweigung, die unter einer Felswand liegt.
Nach oben geht es Richtung Gipfel. Nach der ersten Querung kommt am Ende ein drahtseilgesicherter Übergang, der ein wenig ausgesetzt ist, technisch aber leicht zu bewältigen ist. Hinter der Felsstufe tut sich der direkte Blick zum höchsten Punkt des Kars auf. Die grüne Vegetation hat sich spätestens hier verabschiedet und man geht über zum Teil sehr loses Geröll – Achtung Rutschgefahr – weiter bergauf. Die letzten Serpentinen ziehen sich fast gänzlich durch die gesamte Karbreite und gegen Ende hin wird der Weg auch noch etwas steiler. Zum Teil können sich hier auch noch Schneereste befinden, die durch Lawinen und Einwehungen fast den ganzen Sommer über liegen bleiben. Nach drei Stunden Aufstieg erreicht man schließlich das Ellmauer Tor. Oben angekommen wirkt das Zwischenziel der Tour unspektakulär, gibt es hier keine Gipfel, sondern es geht auf der anderen Seite wieder bergab Richtung Stripsenjochhaus. Spektakulärer ist der Ausblick nach Süden und auf die Felsen der Fleischbank, die einige der bekanntesten Kletterrouten des Wilden Kaisers beherbergen. Wenn man genau hinsieht kann man die bunten Hosen der Kletterer in der Wand erkennen.
Doch das eigentliche Ziel liegt noch ein paar Stockwerke über uns. Die Hintere Goinger Halt ist zwar einer der leichteren Gipfel im Wilden Kaiser, doch Trittsicherheit ist bei dem steinigen Anstieg dennoch gefragt. Zuerst geht es über felsiges Gelände zur Anstiegskante und dann weiter über einen Schotterhang querend zur »Schlüsselstelle« des letzten Teiles, einer gesicherten Stelle über ein paar Felsen. Man kommt schließlich an einem felsigen Grat an und hält sich danach links, geht über ein paar felsige Stufen und kommt schließlich zum Gipfelkreuz der Hinteren Goinger Halt. Der 360-Grad-Rundumblick kann von der gegenüberliegenden Fleischbank und dem Totenkirchl bis hinüber zum Zahmen Kaiser und den Chiemgauer Alpen und Richtung Süden dem Alpenhauptkamm mit den Hohen Tauern schweifen. Bergab geht es wieder den Aufstieg entlang zum Ellmauer Tor. Bergab sollte man bei dem losen Geröll Acht geben, schnell einmal fährt man mit dem Schotter Richtung Tal anstatt kontrolliert auf beiden Beinen. Zurück geht es durch das Kübelkar Richtung Gaudeamushütte. Nach einer kurzen Rast ist’s dann nicht mehr weit bis zur Wochenbrunner Alm.

»In das Herz des Wilden Kaisers, so könnte man die Tour auch beschreiben.«

Heiko Mandl, Fotograf

Auf das Ebner Joch

Auf das Ebner Joch

Das Ebner-Joch begeistert mit einem schönen Ausblick auf den Achensee und den Rofan. Da sind die 1000 Höhenmeter Anstieg schnell vergessen, wenn man stolz oben am Gipfel steht und den Triumph genießt. An schönen Tagen ist hier viel los, aber das ist kein Wunder bei dem Panorama.
TEXT: Heiko Mandl, Foto: GPHOTO / Fanky
Wir starten in der Früh beim Wanderparkplatz in Eben und überqueren die Hauptstraße. Gleich von der Straße weg beginnt der Anstieg hoch zum Ebner Joch. Zuerst führt der Weg über einen Forstweg und wir biegen nach wenigen Minuten rechts in den Pfad zur Astenau-Alpe ein. Der Weg führt in der Folge durch den Wald, nur eine Geröllrinne unterbricht das lichte Waldstück. Für uns kein Problem, wir überqueren ohne Mühe das Geröllfeld und gehen weiter. Schon bald tun sich die ersten Ausblicke über das Inntal auf. Hier oben geht es im Vergleich zu anderen Wanderungen eher beschaulich zu, vielleicht auch wegen der fehlenden Seilbahn, die nicht weit von hier aber die Gäste nach oben befördert.
Nach einer Schneise geht der Weg durch einen Wald. In vier kurzen Serpentinen schlängelt sich der Pfad empor und man sammelt in kurzer Zeit einige Höhenmeter. Nach einer guten Stunde Gehzeit erreichen wir die Waldgrenze und vor uns liegt die Astenau-Alpe mit der dazugehörigen Kapelle und einer Aussicht auf das, was noch vor uns liegt. Nämlich der Anstieg hoch zum Ebner Joch, zum Teil durch Latschenwälder, zum Teil über freie Flächen.
Das erste Zwischenziel auf dem Weg Richtung Gipfel ist mit der Astenau-Alpe erreicht, die auf halber Strecke zur Einkehr einlädt und mit ihrer Sonnenterrasse ein beliebter Ort zum Verweilen ist. Bereits ab April ist die Hütte geöffnet und bietet regionale Speisen aus eigener Küche an. Für Herbstwanderer hat die Hütte bis November offen. Der südseitige Anstieg kann dann bei schönem Wetter ganz schön heiß werden. Im Sommer sollte man auf jeden Fall genug Flüssigkeit mitnehmen. Wir gehen an der Almwirtschaft vorbei und treffen kurz darauf auf einen Wegweiser, bei dem wir uns links halten und in die Latschengasse, der wir bis zum Gipfel des Ebner Jochs folgen werden, einbiegen.
Jetzt warten zwei schroffe Steilstufen auf uns. Auf den ersten Blick wirken sie abschreckender als sie in Wirklichkeit sind. Dennoch sollten sie nicht unterschätzt werden. Nach den zwei Schlüsselstellen wird der Weg wieder flacher und zieht sich bequem weiter zum Gipfel. Die Latschen werden neben dem Weg zum Teil beachtlich hoch und verbauen die Sicht auf die Umgebung.
Bei einer Verzweigung werden wir vor die Wahl gestellt, nach rechts den direkten steilen Weg oder nach links den leichteren Weg zum Ebner Joch einzuschlagen. Wir entscheiden uns für die leichte Variante nach links und queren gemütlich in leichtem Auf und Ab den Gipfelhang. Nach kurzer Zeit folgen wir dem Wegweiser und kämpfen uns durch die Latschenfelder hoch. Nun können wir erstmals einen Blick hinunter zum Achensee werfen. Wir wandern gerade weiter und queren erneut den Gipfelhang.
Im großen Finale der Tour steigt der Pfad über Serpentinen hinauf zum Gipfelkreuz des Ebner Joches. Endlich geschafft, vom höchsten Punkt aus können wir den Rundumblick über das Karwendel, den Achensee, das Rofan und über das Inntal zu den Hohen Tauern und den Zillertaler Alpen genießen. Wer schnell unterwegs ist, hat den Gipfel in guten zwei Stunden erreicht. Mit dem Abstieg von rund eineinhalb Stunden beträgt die Gesamtzeit knappe vier Stunden.
Beim Abstieg sollte man die Sonnenterrasse der Astenau-Alpe auf jeden Fall nicht links liegen lassen. Auf der Alm gibt es leckeren, selbst gebackenen Kuchen, da können wir fast nicht Nein sagen. Denn nach der langen Wanderung haben sich die Sportler eine Stärkung verdient. So auch wir. Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir genießen einen tollen Sonnenuntergang erste Reihe fußfrei mitten im Rofan.

Durch das Zillertal

Durch das Zillertal

Über 31 Kilometer erstreckt sich der beliebte Radweg durch das Zillertal. Dabei passieren die Radfahrer viele Attraktionen und landschaftliche Highlights. Nicht zu vergessen: Wer will, kann einen Teil des Weges mit der Bahn zurücklegen. Einmal mit dem Rad durch das Tal und mit der Bahn zurück also.
TEXT & Foto: Heiko Mandl
In einem Tag durch das Zillertal, so war unser Auftrag. Eine Reise, die man im Sommer planen sollte. Die letzten Schneereste sind dann verschwunden und die Radfahrer werden von blühenden Blumenwiesen, kalten Bächen zum Abkühlen und jeder Menge Einkehrmöglichkeiten empfangen. So stehen wir in Mayrhofen, es ist noch früh am Morgen, und satteln auf unsere Räder auf. 31 Kilometer bis nach Strass, dem Eingang in das Zillertal, liegen vor uns. Eigentlich sind es ja 62, weil wir auch noch den Rückweg bewältigen müssen. Doch wir haben ja noch einen Joker im Ärmel, in Form der Zillertalbahn, die uns jederzeit mitnehmen und nach Hause bringen kann. Unser Ehrgeiz ist aber besonders groß und so planen wir die komplette Strecke in einem Tag zu bewältigen. Best of Zillertal am Rad in einem Tag – so lautetet unser Motto.
Gemütlich fahren wir die breite Straße von Mayrhofen Richtung Norden entlang, immer wieder fordert uns der leichte Gegenwind und treibt uns den Schweiß in die Stirn. »Wann haben wir den letzten Radfahrer gesehen«, fragt mich Susanne. Hmmm, da muss ich selbst genauer überlegen. So früh am Morgen ist der Radweg noch nicht so stark frequentiert. Am Nachmittag tummeln sich dann viele Genuss-Radfahrer auf der Radverbindung durch das Zillertal herum. Wir starteten unsere Tour am Ortsplatz von Mayrhofen. Dort, wo sich im Winter die Skifahrer die Gondeltüre in die Hand geben, finden wir Sommeridylle vor. Die alten Häuser sind mit Blumen geschmückt und strahlen uns von ihrer besten Seite an. Von hier aus führt uns der Weg gleich einmal Richtung Norden.
Genauer gesagt fahren wir die ersten Minuten an der Ziller entlang Richtung Zell. Wir kommen immer wieder an kleinen Orten vorbei, wo die Zeit stehen geblieben ist und Begriffe wie Stress und Hektik nichts zu suchen haben. Die Wiesen stehen in voller Blüte und die Orte erwachen aus ihrem Morgenschlaf. Die Viehherden testen die Weiden auf ihre Qualität und auch die Radfahrer hier machen sich so langsam fit.
»Komm, lass uns eine Rast machen«, sagt Eva. Es wäre ja viel zu schade hier einfach durchzurasen, immer mit gesenktem Kopf und Blick auf den Tacho. Das Regionalmuseum kurz vor Zell am Ziller ist der ideale Rastplatz auf unserer Tour. Während die glühende Sonne langsam den Zenit erreicht hat, fühlen wir uns im Schatten der Obstbäume wohl und nehmen einen Schluck aus unseren Trinkflaschen. Das Hauptgebäude des Museums, ein altes Bauernhaus, wurde 1713 im Zillertal errichtet und gehörte über Generationen den örtlichen Bauern. Heute ist es Anziehungspunkt für Touristen und Geschichtsinteressierte. Der Garten und die anderen alten Gebäude ergänzen das Bauernhaus. Von hier aus tut sich Richtung Süden ein imposanter Blick auf die Bergwelt auf.
Wir rollen weiter Richtung Ortszentrum. Vorbei geht es an einem Kinderspielplatz und an der Ziller entlang in den Ortskern von Zell. Direkt vor einer Brücke entdecken wir eine Konditorei, die wir nicht links liegen lassen können. Eigentlich war unsere letzte Rast erst ein paar Minuten her, doch beim Anblick von den Kuchen und Eis, müssen wir fast stoppen und rasten. Bei Café und ein Stück Kuchen hätten wir fast die Zeit übersehen. Die Sonne steht jetzt dominant am blauen Himmel, kein Wölkchen trübt den Weitblick und wir befinden uns im Relaxmodus. So stellen wir uns Urlaub vor.
Aber jetzt wird es Zeit, sich auf die Räder zu schwingen. Wir haben noch das halbe Tal vor uns. Die lange Gerade nach der Ortsausfahrt raubt uns fast den Nerv. Endlos scheint der Weg gegen den Wind zu sein und wir treten weiter in unsere Pedale. Weiter geht es wieder die Ziller entlang Richtung Aschau. Plötzlich hören wir ein lautes Geräusch und schneller als wir gedacht haben überholt uns die Zillertalbahn von hinten. Sie fährt in regelmäßigen Abständen durch das Zillertal und kann auch uns jederzeit mitnehmen, sofern wir das wollen. So schnell sie gekommen ist, so schnell ist sie auch wieder fort. Ein kleiner roter Strich in der Ferne lässt uns erahnen, wohin wir fahren müssen. Immerhin verläuft der Radweg oft parallel zur Bahnstrecke.
Von Zell schlängelt sich der Weg Richtung Inntal. Wir überqueren die Eisenbahnbrücke und können erstmals die Ziller von oben begutachten. Bisher hatten wir nur die tosenden Wassergeräusche wahrnehmen können. Die Ziller führt gerade viel Wasser. Im Sommer rinnt das Schmelzwasser des Gletschers von der Ziller in den Inn, bis es im Schwarzen Meer seine letzte Ruhe findet. Ein weiter Weg, der unsere 31 Kilometer durch das Zillertal als winzig klein vorkommen lässt.
Wir rollen weiter talauswärts. Fast hinter jeder Kurve in der Region empfängt uns ein Bauernhof mit Kühen, Hühnern und Schafen. Die Landwirtschaft spielt hier eine gewichtige Rolle. Und so kommen auch meist regionale Produkte auf den Teller der Wirtshäuser. Das können wir auch bei unserer Mittagsrast in einem urigen Wirtshaus in Stumm testen. Bei heimischem Bier und einer guten Jause lassen wir die Zeit verstreichen und genießen die lokalen Köstlichkeiten.
Etwas weiter empfängt uns ein einmaliges Panorama Richtung Norden: Der Karwendel mit dem Rofan leuchtet weit entfernt in der Sonne. Mittlerweile zeigt das Thermometer weit über 20 Grad an. Wir nutzen die nächste Möglichkeit für eine kurze Rast am Ziller. Wir schieben die Räder die Böschung hinab und kühlen unsere Beine im kalten Schmelzwasser des Flusses. Hier am Ufer der Ziller lässt es sich gut aushalten, während am Radweg die Reifen – und auch wir – fast zum Glühen beginnen. Ein Sommertag im Zillertal eben. Weiter geht es über Uderns und an Fügen vorbei zu unserem Ziel. Das heißt ab sofort der Badesee in Schlitters. Schließlich lädt der Tag zu einer abschließenden Badesession im glasklaren See ein. Doch bis dahin müssen wir noch eine Weile in die Pedale treten. Das Tal wird immer breiter. Die Wiesen und Felder werden von den Bauern gemäht, damit sie genug Heu für ihre Tiere haben, besonders im Winter sind die getrockneten Kräuter und Gräser wichtig für das Wohl der Kühe.
Schließlich fahren wir zu unserem letzten Ziel, dem Badesee. Wir legen unsere Helme ab und lassen die Füße in das Wasser hängen. Es ist jetzt richtiges Badewetter mit über 30 Grad. Die letzte Frage, die wir beantworten müssen, wäre die der Rückfahrt nach Mayrhofen. Rad oder Bahn? Wir schauen uns fragend an, dann Richtung Badesee und schon haben wir die Antwort parat. Natürlich nehmen wir die Zillertalbahn zurück zum Ausgangspunkt. Dann bleibt uns noch Zeit zum Entspannen im schönen Zillertal.

Hahnenkamm mit dem Bike

Hahnenkamm mit dem Bike

Kitzbühel ist für mich und Freeride-Pro Angie Hohenwarter so etwas wie ein weißer Fleck auf unserer Landkarte. Zeit also, um dem mondänen Winterskiort einen Besuch abzustatten und die Trails in der Umgebung zu testen. Fazit: Wir kommen wieder!
TEXT & Foto: Heiko Mandl
Wann ich das erste Mal in Kitzbühel war? Das muss Jahre zurückliegen, eigentlich kann ich mich nicht mehr so genau daran erinnern. Es war auf jeden Fall Winter und ich hatte anstatt meinem Bike die Freeride-Skier mit. Aber im Sommer machte ich bisher immer einen Bogen und den noblen Wintersportort. Warum eigentlich, die Trails sollten doch um nichts den anderen in der Umgebung nachstehen. Saalbach und Co werden links liegen gelassen, Tirol wir kommen.
Wir treffen uns am Parkplatz der Fleckalmbahn und machen uns dort bereit für unseren ersten Trail. Eine gute Stunde ist es von Innsbruck und Salzburg mit dem Auto bis ins Brixental. Ich komme etwas zu spät, aber die Fotografen kommen nie pünktlich, das kennt Angie nur zu gut. Wir könnten natürlich auch mit dem Bike bis zum Gipfel des Hahnenkamm hochtreten. Könnten. Wir nehmen aber lieber gemütlich die Bahn. Spart Zeit, Schweiß und Kraft für den Downhill auf den Trails. Die wichtigsten Gondeln und Lifte befördern hier auch im Sommer die Pedalritter. Mountainbiker können hier viele Höhenmeter abwärts cruisen ohne viel bergauf radeln zu müssen. Das kommt gut an. Jedes Jahr besuchen mehr und mehr Biker die Region.
Nachdem wir unsere Tickets gelöst haben, steigen wir endlich in die Gondeln. Ganze 1100 Höhenmeter befördert uns die Bahn Richtung Gipfel. 1100 Höhemeter, die dann auch wieder bergab führen. Unsere Vorfreude steigt! Vor einigen Jahren, als Angie noch im XC aktiv war, ist sie die Rampen noch hochgetreten, heute bevorzugt auch sie mehr den Weg bergab. Sie ist schon viel herumgekommen in der Welt, hat die Trails in Whistler gerockt, ist in Taiwan auf Trailsuche gegangen oder war auch bei der Rampage als Zuseher live vor Ort. Aber hier oben, mitten in den Alpen, fasziniert sie jedes Mal der Blick über die Berge bis hin zu den Hohen Tauern. Ganz egal, auf welchem Berg du hier stehst, es führt immer ein Trail bergab. Hinter uns leuchtet die weiße Wand der Zentralalpen rüber und unter mir beginnen die endlosen Almen und Weiden der Kitzbüheler Alpen. Zudem sticht der Wilde Kaiser vom Norden zu uns rüber.
Es ist ruhig hier, ich höre nur den leichten Wind, der vom Süden zu uns weht und das Zwitschern der Vögel, die sich langsam auf den Weg Richtung Süden machen. Genau für solche Momente leben wir den Sport. In der Natur sein, den Trail bergab fahren und eine gute Zeit mit Freunden genießen. Genau darum geht es uns.
Bevor es los geht, haben wir noch ein paar Höhenmeter vor uns. Nein, nicht bergab, sondern bergauf. Von der Bergstation geht es zunächst rüber zum Hahnenkamm-Trail. Er führt neben der berüchtigten Piste bergab, direkt in den Ort Kitzbühel. Der Trail beginnt von der Bergstation des Hahnenkamms über einen breiten Bergrücken über die Südseite des Berges hinab in einen dunklen Wald, wo sich die Kurven zwischen den Bäumen Richtung Tal schlängeln. Der Trail ist eher auf der einfachen Seite, besitzt viele sanfte Kurven und wenige technische Stellen.Ideal also, um sich warmzufahren. Wir kommen schließlich bei der Talstation an und nehmen gleich die nächste Gondel hoch zum Gipfel des Hahnenkamms.

»Kitzbühel beeindruckt nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer mit einer traumhaften Kulisse.«

Angie Hohenwarter, Bikepro aus Innsbruck

Der Spaß hat hier noch kein Ende, es geht über einen langen Anstieg wieder hoch zur Fleckalmbahn, wo sogleich der gleichnamige Trail startet. Der Trail ist steiler und technisch anspruchsvoller, mit Anliegern, Sprüngen und welligem Gelände mit Wurzelpassagen.
Wir starten jetzt mit den ersten Kurven, die noch parallel über der Skipiste liegen. Von hier oben kann ich den Verlauf des Trails gut überblicken. Wie von Hand gemalt zieht er sich durch die Landschaft und verliert sich am Ende des Bergrückens. Anfangs habe ich noch Zeit für den einen oder anderen Blick in die Alpenlandschaft. Nach einem kurzen Flachstück wird der Trail aber dann steiler und die ersten Sprünge spicken den Weg Richtung Tal. Die Kicker sind so gebaut, dass jeder, der nicht will, sie leicht umfahren kann. Immer wieder kommen uns Wurzelpassagen entgegen, ich muss öfters absteigen, Angie hingegen fährt alles ohne Probleme durch. Der Trail ist übrigens mit 7,1 Kilometern und 1100 Tiefenmessern einer der längsten Trails des Landes. Das bekomme ich auch bald zu spütren, die Hände schmerzen und die Waden verkrampfen. Zeit für ein kleine Rast an einer der vielen Quellen neben dem Trail.
Für viele Biker ist es Pflicht bei der Fleckalm einzukehren. Der Kaiserschmarrn ist hier einmalig und spätestens bei der zweiten Fahrt beginnt der Magen zu knurren. Heute hat die Alm schon zu und so fahren wir weiter Richtung Tal. Der Trail taucht in den Wald ein und schlängelt sich bis zur Talstation. Ein paar North-Shore-Elemente wechseln sich mit schnellen Waldboden-Trailpassagen ab und schneller als gedacht stehen wir wieder vor unseren Autos am Parkplatz der Bahn. Sollen wir es nochmal wagen? Der Tag ist schon lange und die Beine müde, aber die Sucht nach dem Gefühl, wenn wir die Trails surfen, überwiegt. Also dann auf ein zweites oder drittes oder viertes.

Aufwärmen & abkühlen

Aufwärmen & abkühlen

Endlich Wochenende. Das Büro wird gegen die Berge getauscht. Neben der Freude an der Natur treibt viele der Wunsch nach Fitness und Gesundheit zur Wanderpartie. Dabei kann genau das Gegenteil eintreten, wenn man eine entscheidende Sache außen vor lässt. Aufwärmen.
TEXT: Adriane Gamper Foto: GPHOTO / Martin Guggenberger
»Die Beanspruchung des Körpers beim normalen Wandern wird von den meisten unterschätzt«, weiß Robert Mühlberger. Der ehemalige Leistungssportler und heutige Trainer sowie Lehrer am Schigymnasium Saalfelden hält wenig vom »kalten Durchstarten«. Gelenke, Bänder, Herz-Kreislauf-System, Muskeln, die Beanspruchung für all diese Bereiche ist selbst beim gemütlichen Bergaufgehen groß. »Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich ein Couchpotato bin oder durchtrainiert. Doch selbst für einen Spitzensportler ist das Aufwärmen wichtig. Mehr noch, es ist für ihn ein essentieller Teil des Trainings, weil er weiß, dass sich dadurch seine Leistung steigert.« Das Aufwärmen bereitet den Körper auf die kommende Aktivität vor, wie Heilmasseurin Silvia Haid anfügt. »Das Wohlbefinden steigt, ganz abgesehen von dem Verletzungsrisiko, das durch ein paar einfache Übungen erheblich reduziert wird. Die Durchblutung wird gefördert, Gelenke werden mobilisiert, Muskeln aktiviert.« Der Körper braucht Zeit, um sich an die Mehrbeanspruchung zu gewöhnen und diese Zeit muss man ihm auch geben. »Ein weiterer Effekt des richtigen Aufwärmens, du zeigst deinem Körper die Bewegung, die jetzt dann folgt.«

Regenerieren im Storchengang

Nach dem Wandern bietet sich Kneippen zur Erholung und Regeneration an.
Ein Bein wird komplett aus dem Wasser herausgezogen und mit der Fußspitze voran wieder ins Wasser eingetaucht. Schon nach einigen Sekunden sollte ein starkes Kältegefühl in Füßen und Beinen zu spüren sein. Das Wasser verlassen und nach einer kurzen Pause wiederholen. Je kälter das Wasser umso kürzer die Verweildauer. In den Pausen idealerweise etwas dehnen, um die beanspruchte Muskulatur noch besser zu regenerieren. Zum Kneippen eignet sich ein Gebirgsbach genauso wie ein See oder ein eigenes Kneippbecken. Wichtig: Nach dem Kneippen die Beine nicht abtrocknen. Das Wasser nur abstreifen und trocken laufen. Deshalb haben die beiden Profis spezielle Übungen zur richtigen Wander-Vorbereitung zusammengestellt.

Die zwei Varianten

Das »Warm-up« von Silvia und Robert ist funktionell. Jede Übung ist ein Teil der bevorstehenden Gesamtbewegung und zielt auf Mobilisation und Stabilisation ab. »Unser Warm-up soll nicht als eigene Trainingseinheit gesehen werden, es sind vielmehr einfache Übungen für jedermann, immer und überall durchführbar.« Entscheidend ist, die Übungen langsam und mit einem kurzen Halten in der Endposition auszuführen. Körperspannung von der Zehe bis zum Kopf. Die Variante A ist die Basisübung. Variante B ist die Steigerung und schult zudem das Gleichgewicht. »Ein gutes Gleichgewicht ist beim Wandern von großer Bedeutung und kann täglich ganz nebenbei gefördert werden. Ich sage schon zu meinen Eltern immer: steht beim Zähneputzen einfach auf einem Fuß«, so Robert. Übrigens, der Körper kühlt recht schnell wieder aus, schon nach einer halben Stunde ist er quasi wieder auf Null. Nach einem Einkehrschwung sollten daher idealerweise vor dem Weitergehen wieder ein paar Übungen folgen. Vor allem, wenn es zurück ins Tal geht, da das Abwärtsgehen für Gelenke und Muskulatur anspruchsvoller ist als das Aufwärtsgehen.

Nasser cool-Down

Zum Abschluss der Wanderung empfehlen die beiden Profis kneippen. »Der starke Kältereiz fördert die oberflächliche und tiefe Durchblutung, regt den Kreislauf sowie die Regeneration an, sorgt für fitte Beine. Die Folge ist ein angenehm frisches Körpergefühl«, so Silvia. Robert verweist zudem auf den psychischen Part. »Das Kneippen rundet das Bergerlebnis ab, das Wandern erhält dadurch eine höhere Wertigkeit. Man nimmt durch diese bewusste Abschlusshandlung viel mehr an Erlebnis und Erinnerung mit.«

Waden & Sprunggelenke

Ausgangsposition: Mit dem Vorfuß auf einen Vorsprung stellen, die Ferse »schwebt« in der Luft und wird bewusst nach unten gerückt.
Endposition: Die Ferse hochdrücken bis hinauf in den Zehenstand
Der gesamte Körper bleibt dabei aufrecht. 10 Wiederholungen
Variante A: Mit Festhalten, Abstützen auf Wanderstöcke oder dergleichen
Variante B: Ohne Festhalten

Hintere Oberschenkel-, Gesäß- und Rückenmuskulatur & Hüft-, Kniegelenk und gesamte Wirbelsäule

Ausgangsposition: Einbeinstand. Der Oberkörper wird leicht eingerollt, die Ellbogen berühren das Knie des freien Beins
Endposition: Oberkörper, Arme und das freie Bein werden gestreckt. Der Oberkörper ist nach vorne geneigt und das Standbein leicht gebeugt.
Die Hüfte bleibt während der gesamten Übung parallel zum Boden. 5 Wiederholungen pro Seite
Variante A: Mit Festhalten, Abstützen auf Wanderstöcke
Variante B: Ohne Festhalten

Rundtour am Morgen

Rundtour am Morgen

Das Hintere Sonnwendjoch ist ein leicht zu begehender Gipfel, auch für Familien und Wandereinsteiger. Atemberaubend ist aber der Ausblick vom Gipfel. Wer will, kann die Krenspitze in die Wanderung mit einbauen, die aber etwas anspruchsvoller und ausgesetzt ist. In Summe bietet die Runde eine schöne Wanderung mit vielen Naturhighlights.
TEXT: Heiko Mandl Foto: GPhoto / Fanky
Es ist noch früh am Morgen, als wir zu unserer Tour starten. Die Sonne steht noch hinter den Bergen und bereitet sich auf den Tag vor. Die Vögel erwachen gerade aus ihrem Schlaf und läuten mit ihrem Gezwitscher den Morgen ein. In der Ferne rauscht ein Bach und das ein oder andere undefinierbare Geräusch kommt von der nahegelegenen Wiese.
Unsere heutige Tour führt bis zum Sonnwendjoch und weiter bis zur Krenspitze. Wer will, kann auch nur das Sonnwendjoch besteigen. Von der Ackernalm aus ist die kurze Tour auch ideal für Familien. Das Mangfallgebirge thront um uns herum. Das Sonnwendjoch ist hier das Tüpfelchen auf dem i, als höchster Gipfel der Region ist es der König des Gebirges. Wobei es nicht unbedingt so wirkt. Eher sanft sticht es as der Bergwelt heraus. Wir befinden uns im Grenzgebiet zwischen Bayern und Österreich. Und obwohl das Mangfallgebirge mehrheitlich in Bayern liegt, befindet sich das Hintere Sonnwendjoch in Tirol. Die Grenze zieht sich etwas nördlich des Gipfels durch die Landschaft.
So starten wir in aller Früh bei der Ackernalm. Sie ist bequem mit dem Auto zu erreichen und im Hochsommer Anziehungspunkt vieler Wanderer und Naturliebhaber. Jetzt ist es noch ruhig. Die Sonne ist jetzt gerade über dem Horizont aufgetaucht und wirft die ersten Schatten in die Landschaft. Das Gras ist noch feucht, schon bald werden die Sonnenstrahlen den Boden erwärmen und die Natur aufwachen lassen.
Wer will, kann die Tour auch vom Tal aus starten, in Summe kommen dann aber 1500 Höhenmeter auf das Tageskonto, was den Anstieg um einiges verlängert und auch dann für Familien eher nicht mehr infrage kommt. Die ersten Meter wandern wir auf der asphaltierten Straße bis zur Almkäserei. Wer will, kann hier Käse kosten und natürlich auch kaufen. Für uns ist es noch zu früh für Eiweiß-doping, vielleicht werden wir am Rückweg ein paar Gustostückerl mitnehmen. Das Tal Richtung Thiersee wird langsam aber sicher vom Morgenlicht beleuchtet. Dahinter tut sich das Kaisergebirge auf, das sich im Morgenrot von seiner besten Seite zeigt. Dort sind wohl schon einige Wanderer auf Tour zu den schroffen Gipfeln. Wir hingegen sind noch unter uns, mit Blick nach oben Richtung Sonnwendjoch.
Die Tour ist zwar nicht lange und mit 650 Höhenmetern sicherlich auf der leichteren Seite. Im Hochsommer sollte man aber auch den Anstieg nicht unterschätzen, besonders wenn die Sonne unaufhörlich vom Himmel brennt. Kurz vor der Bärenbadalm biegen wir ab und setzten unseren Weg Richtung Gipfel fort. Der Anstieg wird dann etwas schroffer und ein paar Passagen über felsiges Gelände bieten auch hier eine willkommene Abwechslung zu den Forstwegen. Besonders für Kinder sind die Steinpassagen ein großes Abenteuer, ohne groß in Gefahr zu laufen sich zu verletzten. Für uns ist das alles kein Problem. Bei nasser Witterung allerdings kann ich mir vorstellen, hier etwas vorsichtiger zu agieren. Ausgerutscht ist man schnell einmal.
Es geht weiter stetig bergauf. Der Gipfel kommt immer näher und wir kämpfen uns Meter für Meter hoch. Zum Schluss geht es durch eine kleine Schotterpassage auf den felsigen Gipfel des Hinteren Sonnwendjochs, der mit einem großen Gipfelkreuz markiert ist. Von hier oben hat man eine wundervolle Rundumsicht, ein 360-Grad-Panorama, das seinesgleichen sucht. Auf fast 2000 Metern Höhe ist der Rundumblick großartig, wir stehen auf dem höchsten Punkt des Mangfallgebirges und blicken weit über den Alpenhauptkamm. Bis zum Großglockner geht der Blick bei guter Sicht. Davor sticht das Kaisergebirge noch immer dominant ins Auge und auch die Zugspitze ist von hier nicht allzu weit entfernt. Dazu noch das Karwendel und die Stubaier Alpen, Großvenediger und ungezählte weitere Berge, die Ziel vieler Alpinisten sind. Beim Blick nach Deutschland sehen wir die steil abfallende Nordwand des Hinteren Sonnwendjochs und dahinter den Wendelstein und die Rotwand links davon mit dem markanten Rotwandhaus.
Jetzt haben wir uns eine Pause verdient. Wir genießen unsere Rast und schauen den Dohlen bei ihren Flugeinlagen zu. Sie kreisen um uns herum, in der Hoffnung das eine oder andere Brotkrümel abzubekommen. Wir belohnen ihren Auftritt mit den Brotresten, die sie dankend in ihren Schnäbeln verschwinden lassen.
Nicht unweit von uns entfernt sehen wir die Krenspitze zu uns herüberleuchten. Sie ist nur 14 Meter niedriger als das Hintere Sonnwendjoch und durch einen langen Grat mit dem höchsten Gipfel der Region verbunden. Wir nehmen auch diesen Weg in Angriff und stehen schneller als gedacht auf unserem zweiten Gipfel des heutigen Tages. Zurück geht es wieder zum Hinteren Sonnwendjoch und weiter über den Abstiegsweg über die Bärenbadalm bergab.
In Summe haben wir einen schönen Tag in den Bergen erlebt. Zur Einkehr nehmen wir die Ackernalm, wo auch unsere Autos stehen. Aber nicht, ohne zuvor noch ein paar Stücke Käse mitzunehmen. So können wir auch noch zu Hause von der Tour zehren, den Almkäse genießen und von dem Tag schwärmen.

Knackiger Bergebegleiter

Knackiger Bergebegleiter

Die Hobbybäckerin und Backbuchautorin Bettina Ager suchte etwas Schmackhaftes zum Mitnehmen und entwickelte ihr eigenes Knäckebrot-Rezept. Nicht einmal zehn Minuten dauert die Zubereitung. Und das Beste, jeder kann seine individuelle Lieblingsvariante kreieren.
TEXT: Adriane Gamper Foto: GPHOTO / Florian Egger
»Ich wollte etwas zum Knabbern für zwischendurch, das lange hält, schnell zuzubereiten und gesund ist sowie Energie gibt. Dazu kommt, dass ich Knäckebrot immer schon gerne gegessen habe«, erklärt Bettina Ager die Entstehung ihres Knäckebrot-Rezepts. Nicht das einzige Rezept, das die gebürtige Münstererin, die heute in Fügen lebt, entwickelte. Insgesamt fünf Backbücher von Weihnachtskeksen bis hin zum Brot sind bis jetzt entstanden. »Ich bin nicht die Kraxlerin, die sich am Seil nach oben hantelt. Ganz im Gegenteil, ich liebe es zu gehen, weit zu gehen. Diese Ruhe in den Bergen ist einmalig und genau da kommen mir die besten Ideen. Bei diesen Wandertouren kamen mir auch viele Rezeptideen für meine Kuchen, Brote und Kekse in den Sinn und wieder zu Hause habe ich sie ausprobiert und verfeinert.

Snack im Handumdrehen

Zweimal die Woche landet selbstgebackenes Brot in ihrem Ofen und immer wieder eine Portion ihres geliebten Knäckebrots. »Ich nehme es sehr gerne zum Arbeiten mit, da es durch den Leinsamen etwas den Hunger stillt und nur gesunde Zutaten enthält.« Dass der Teig für das Knäckebrot im Handumdrehen zubereitet ist, ist ein weiterer Pluspunkt. So werden alle Zutaten einfach zusammengeschüttet und gut durchgemischt. »Dann gilt es nur noch, die Masse auf zwei Backbleche zu verteilen und den Teig dünn auszustreichen. Das war es auch schon«, erklärt Bettina. Bei den Zutaten hält sich die begeisterte Bäckerin nicht immer an die eigene Zutatenliste. In die Rührschüssel kommt, was der Vorratsschrank hergibt.

»Man kann bei den Zutaten nach Lust und Laune variieren. Ich liebe etwa Kürbiskerne als Zutat.«

Bettina Ager, Hobbybäckerin und Backbuchautorin

Mischen was der Schrank hergibt

»Die einzelnen Zutaten können ganz nach den individuellen Vorlieben variiert werden. Ich mag etwa sehr gerne Kürbiskerne. Wer eine süße Variante sucht, kann Rosinen und ein wenig Honig zufügen.« Für 15 Minuten geht es für die beiden Backbleche erst einmal in den Ofen. »Nach dieser ersten Anbackzeit muss das Knäckebrot unbedingt in Stücke geschnitten werden. Am Ende der Backzeit ist das Brot zu hart dafür.« Ideal zum Schneiden ist ein Pizzaschneider. Die Größe der Stücke richtet sich ganz nach dem eigenen Geschmack. Danach geht es für die Stücke wieder in den Ofen. Je länger die Trockenzeit, desto knuspriger wird das Knäckebrot. Nach dem Abkühlen am besten offen aufbewahren, empfiehlt Bettina, »so bleibt es schön knackig und hält praktisch ewig.«

Zutaten:

120 g Dinkelmehl
120 g Haferflocken
100 g Sonnenblumenkerne
50 g Sesam
50 g Leinsamen
½ TL Salz
2 EL Olivenöl
500 ml WasserStücke richtet sich ganz nach dem eigenen Geschmack. Danach geht es für die Stücke wieder in den Ofen. Je länger die Trockenzeit, desto knuspriger wird das Knäckebrot. Nach dem Abkühlen am besten offen aufbewahren, empfiehlt
Bettina, »so bleibt es schön knackig und hält
praktisch ewig.«

Zubereitung:

• Alle Zutaten in eine Schüssel geben und miteinander vermischen.

• Die Mischung auf zwei mit Backpapier belegte Backbleche verteilen und dünn ausstreichen.

• Beide Bleche in das auf 170 Grad vorgeheizte Backrohr schieben.

• Nach etwa 15 Minuten die Backbleche heraus-nehmen und die angetrocknete Teigplatte in Stücke schneiden.

• Das geschnittenen Knäckebrot für 40 Minuten
erneut in den Ofen schieben und fertig backen.

Beeren als Krönung

Beeren als Krönung

Kaiserschmarrn zählt mit zu den beliebtesten Gerichten auf Tirols Almen. Kala-Alm-Koch Domitius Mairhofer setzt dem Gericht auf seiner Hütte am Hang des Pendlings mit Walderdbeeren eine fruchtige Krone auf. Seine Zutaten für ein perfektes Ergebnis reichen dabei von zerrissenen Eiern bis hin zur schiefen Pfanne.
TEXT: Adriane Gamper Foto: GPHOTO / Martin Guggenberger
Die alte Eisenpfanne hat Domitius Mairhofer schon eine halbe Ewigkeit, wie er erzählt. Tausende Portionen des beliebten Kaiserschmarrns sind darin bereits entstanden. »Ja, die Pfanne trägt schon einen gewissen Teil zum perfekten Schmarrn bei, aber es gibt auch sonst noch ein paar wichtige Tricks.« Und damit beginnt der Kala-Alm-Koch, das Mehl mit der Milch zu verrühren. Salz, Zucker, Vanillezucker und ein Schuss Rum folgen. Erst zum Schluss werden die Eier hinzugefügt und nur »zerrissen«, wie Domitius betont. »Dieser Schritt entscheidet ganz grundlegend, ob ein Schmarrn locker wird oder eine harte Konsistenz hat. Die meisten glauben, sie müssten einen Eischnee schlagen, doch das hat darauf keinen Einfluss. Genauso wird der Schmarrn umso zäher, je länger die Eier untergerührt werden.«

Gekonnte Schieflage

Wenn viel los ist, entstehen in der Küche auf 1.400 m Höhe an einem Tag schon einmal an die 100 Portionen Kaiserschmarrn. Jede Portion wird frisch gebacken. Auch ein wichtiger Punkt auf dem Weg zum perfekten Ergebnis. In die Pfanne kommt zum Anbraten nur Öl und keinesfalls Butter. Mit ein paar Tropfen Teig erfolgt die Hitzeprobe. »Beginnt es zu brutzeln, wird, je nach Pfanne, zwei bis drei Zentimeter hoch Teig eingegossen. Wichtig ist, in dem Moment die Hitze auf ein Minimum zu reduzieren. Deckel darauf und dann heißt es geduldig warten.« Nach acht bis zehn Minuten hat sich unten eine braune Schicht gebildet, während der obere Teil der Ei-Mehl-Milch-Mischung noch flüssig ist. »Jetzt muss man den noch nicht gestockten Teil unterheben, ansonsten ist der Schmarrn oben noch flüssig, während er unten schon dunkel und hart wird. Das heißt, ich hebe den Teig etwas an und halte die Pfanne schräg. Dadurch rinnt der flüssige Teil nach unten, so dass eine neue unterste Schicht entsteht.« Ist der gesamte Teig gestockt, wird die Platte gewendet

REZEPT für 2 Personen:

0,3 l Milch
1 Prise Salz
200 g glattes Mehl
Rum ein Schuss 60%iger
1 EL Vanillezucker
2 EL Zucker
6 Eier Größe L
150g Walderdbeeren
etwas Staubzucker Öl zum Anbacken Butter und Zucker zum Karamellisieren
ZUBEREITUNG:
• Milch, Salz, Mehl, Rum, Vanillezucker Zucker verrühren.
• Eier hinzufügen und leicht zerschlagen.
• In einer Pfanne etwas Öl erhitzen und etwa 1,5 cm hoch die Teigmasse hinein gießen. Zugedeckt bei sehr niedriger Temperatur etwa 10 Minuten backen.
• Den Teig auf einer Seite etwas anheben und die Pfanne leicht schief halten, damit der noch flüssige Teil des Teiges nach unten rinnen kann.
• Sobald der Teig komplett gestockt ist, wenden und auch diese Seite zugedeckt braun backen.
• Den Teig nochmals wenden und sofort zerstechen.
• Die Stücke mit etwas Zucker bestäuben, Butter hinzufügen und die Temperatur wieder stark erhöhen, damit der Zucker karamellisiert.
• Die Walderdbeeren mit Staubzucker bestäuben und kurz erwärmen.
• Schmarrn am Teller anrichten und Beeren obenauf setzen. Vor dem Servieren noch einmal mit Staubzucker bestäuben.

»Die Eier müssen zerrissen werden, auf gar keine Fall fest rühren.«

Domitius Mairhofer, Kala Alm

ZUCKRIGES GESCHMACKSGEHEIMNIS

»Bevor der Schmarrn in die charakteristischen Stücke gestochen wird, sollte man ihn noch einmal wenden, so geht das Zerteilen leichter.« Zu den Stücken kommen ein wenig Zucker und rund zwei Eßlöffel Butter. »Die Temperatur wird nun wieder ganz hochgefahren, damit der Zucker karamellisiert.« Währenddessen bestäubt Domitius die Walderdbeeren mit Staubzucker und erwärmt sie leicht. »Der Staubzucker sorgt für einen noch intensiveren Geschmack. Erst am Teller werden die Beeren am Kaiserschmarrn platziert. Gibt man sie vorher zum Teig, fällt dieser zusammen.«

Weltmeisterlich Rad fahren

Weltmeisterlich Rad fahren

Einmal Hölle und zurück. Stefan Kirchmair fährt noch einmal die Strecke der Rad-WM 2018 in Innsbruck für uns ab und schwärmt von den vielen Highlights. Das Inntal hat für Rennradfahrer bekanntlich viele Strecken parat. Außer bei der Höttinger Höll – da treibt es ihm und seinem Kumpel Chris den Schweiß auf die Stirn. Kein Wunder bei bis zu 25 % Steigung.
TEXT & Foto: Heiko Mandl
Stefan Kirchmair hat einiges erreicht in seiner radsportlichen Karriere. Zweimal gewann er den Ötztaler Radmarathon, viermal den im Tannheimer Tal, war österreichischer Meister im Radmarathon. Aber die Straßen-WM des Weltradsportverbands UCI? Immerhin fährt er an der Seite seines Radkollegen Chris über Teile der WM-Strecke. Die Strecke, seine Heimat, seine Stadt. Jede Kurve der WM-Strecke kann er aufzählen und war natürlich vor Ort, als die Profis durch Innsbruck rauschten. Jetzt aber rauscht erstmal ihm und Chris der Schweiß die Stirn hinab. Im Wiegetritt knechten sie ihre Renner die 25 Prozent steile »Höll« hinauf. Nach über 200 Kilometern im Sattel mussten die Profis 2018 den kurzen, harten Anstieg bewältigen, ehe sie über die Hungerburg Richtung Ziellinie jagten.
Zigtausende Fans waren nach Innsbruck, ins damalige Zentrum der Rennradwelt gereist. Doch die Stadt ist Besuchermassen gewohnt. Zahllose Touristen kommen Jahr für Jahr, um die berühmten Wahrzeichen wie das Goldene Dachl zu bestaunen. Auch der Sport gehört zur DNA der Stadt. Schließlich lässt sich der Trip ideal mit dem Aktivurlaub verbinden, auch für Rennradfahrer. Sie können direkt in die Berge Tirols starten. Das Umland von Innsbruck bietet meist hügeliges Terrain mit einigen Stichstraßen, die wie geschaffen für Sammler von Höhenmetern sind. Richtung Kufstein können Genussradfahrer bequem durch das Inntal rollen und die Tiroler Bergwelt vom Erdgeschoss aus genießen. Wer höher hinaus will, hat es nicht weit zu Alpenpässen wie Kühtai, Timmelsjoch oder auch dem Ktzbüheler Horn oder die Zillertaler Höhenstraße.

»In Innsbruck lässt es sich gut Rad fahren. Die Strecken nach Kufstein und Richtung Brenner sind einmalig schön.«

Stefan Kirchmair, ehem. Ötztaler Radmarathon-Sieger

Stefan Kirchmair war einst als Profi unterwegs. »Zuhause an der WM teilzunehmen wäre natürlich etwas Besonderes«, gesteht er. Doch den Sprung in ein Profiteam im Ausland schaffte Kirchmair nicht. Verletzungen und Pech machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Heute genießt er die Zeit auf dem Rennrad und betreut Hobbysportler. Jetzt steht er neben seinem Schützling Chris auf der Aussichtplattform vor der Hungerburg- Bergstation und blickt über Innsbruck. Im Hintergrund sticht die Skisprungschanze aus dem Stadtbild heraus, darüber strecken sich die Stubaier Alpen in den Himmel. Bevor die beiden Sportler den WM-Streckenteil südlich von Innsbruck unter die Räder nehmen, legen sie einen Abstecher ins Zentrum der Stadt ein.
Doch vor dem Goldenen Dachl einen ruhigen Platz für die Kaffeepause zu finden, scheint beinahe unmöglich. Touristen über Touristen drängen auf der Suche nach der nächsten Sehenswürdigkeit durch die Gassen. Wer dem Trubel entfliehen möchte, sollte per Rennrad das Inntal erkunden«, empfiehlt Stefan. Es verbindet Innsbruck mit Kufstein und bildet einen Gegenpol zum Treiben in der Stadt. Je nach Kondition können Rennradfahrer viele Anstiege mitnehmen.
In der Stadt hat es für die beiden Sportler doch noch mit Kaffee und Kuchen geklappt. Gestärkt sausen sie Richtung Gnadenwald, das auf gut 860 Metern liegt. Doch vorher muss noch ein Zielsprint her, bevor die Tour eigentlich begonnen hat. »Hier liegt die WM-Ziellinie«, erklärt er. Für die Profis ging es 2018 von Kufstein durchs Inntal kommend sieben Mal vorbei am Schloss Ambrass Richtung Aldrans, ehe das Finale über die Höll wartete. Das haben die beiden schon hinter sich. Jetzt heißt Kufstein ihr Ziel. Sie werden durch Wiesen und Wälder rauschen. Sie werden die mit Blumen verzierten Bauernhäuser bewundern, die Kühe beim Grasen beobachten und bei manchem Anstieg ins Schwitzen kommen. Denn in und um Innsbruck wartet ein Paradies auf Rennradfahrer. Nicht nur während der Weltmeisterschaften.