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Vier Tage, vier Täler

Die Bergheimat

Vier Tage, vier Täler

Die Wilde Kaiserin

Vier Tage, vier Täler

Die Wilde Kaiserin

Vier Tage, vier Täler

In vier Tagen durch das Zillertal, Schmirntal, Stubaital und das Inntal. Dazu noch in Begleitung eines Extremradfahrers. Da kann man schon an seine persönlichen Grenzen stoßen. Mountainbiker und Autor der Geschichte Heiko Mandl hat das auf der Runde erleben dürfen und wird die Tour so schnell nicht vergessen. Im Positiven, wie die schönen Berglandschaften, und im Negativen, wie die Qualen bergauf, betrachtet.
TEXT & Foto: Heiko Mandl

Wie es sich anfühlt, mit David Beckham Fußball zu spielen? Keine Ahnung. Aber ich kann zumindest sagen, wie es ist, mit einem Race-Across-America-Sieger durch die Tiroler Berge zu radeln. Wer es noch nicht weiß: Das Race Across America (RAAM) ist mit über 5000 Kilometern das härteste Radrennen der Welt. Die Teilnehmer fahren die Strecke aber nicht in Etappen, sondern nonstopp. Pierre Bischoff hat es gewonnen, mit gut 9 Tagen im Sattel. 

Mit genau diesem Herrn Bischoff bin ich nun in Österreichs Alpen unterwegs. Für mich ist Tirol biketechnisch Neuland, für Pierre ist das Bundesland seine zweite Heimat. Der Deutsche lebt schon seit ein paar Jahren in Nauders, arbeitet als Bikeguide und ist schon gespannt, den Osten Tirols rund um das Zillertal mal unter die Lupe zu nehmen. Der Dritte im Bunde heißt Thomas, kommt aus Wien und sitzt jede freie Minuten am Bike. Er will wissen, wie es so ist, mit eine Extremradsportler auf Tour zu gehen. Zwei Österreicher, ein Deutscher, ein gemeinsamer Plan.

Der lautet: In vier Tagen durch das Zillertal, am Brenner vorbei und weiter in das Stubaital bis nach Innsbruck. Also fast halb so lange im Sattel wie beim Race Across America, von der Zeit her. Nur eben keine gut 2000 Kilometer, sondern schwache 143 Kilometer, einige Höhenmeter – nicht auf Asphalt, sondern mit dem Bike auf Trails und Schotterpisten. Bereits auf den ersten Rampen vom Inntal hoch zur Weidener Hütte zeigt uns Pierre seine Stärken und wir ihm unsere Schwächen. Der Radfreak macht auch am Bike eine sehr gute Figur und so ist es kein Wunder, dass der RAAM-Sieger schon sein zweites Bier bestellt, während wir erst bei der Hütte ankommen. Wir haben uns die vier Etappen so eingeteilt, dass genug Zeit bleibt, die schöne Tiroler Alpenlandschaft zu genießen und ausreichend Pausen machen zu können. Anders als beim RAAM fahren wir ja nicht auf Zeit, sondern wollen vom Alltag abschalten und die Trails zu 100 % auskosten. Die erste Etappe ist also geschafft, wir sitzen vor der Weidener Hütte und schauen rüber in das Karwendel, das von den letzten Sonnenstrahlen beleuchtet wird.
Der zweite Tag führt uns in das schöne Zillertal. Das langgezogene Tal ist ein einziger Spielplatz für Funsportler. Sommer wie Winter. Während in der kalten Jahreszeit die Skifahrer und Freerider ihre Lines Richtung Tal ziehen, rocken im Sommer die Biker die Trails. So wie wir. Wir haben bereits früh am Morgen die letzten Meter hoch zum Geiseljoch hinter uns gebracht und machen uns bereit für die erste lange Abfahrt hinunter in das Tuxer Tal. Die Bergspitzen sind bereits sanft in Schnee gehüllt und die Gletscher leuchten statt im schmutzigen Sommergrau in reinem Persilweiß zu uns rüber. Wir sind hier oben nicht alleine. Viele Alpencrosser begleiten uns nach unten. Für sie ist es heuer die wahrscheinlich letzte Möglichkeit für eine Alpenüberquerung. Bis zu acht Tage sind sie unterwegs an den Gardasee. Pierre schmunzelt dabei nur. Immerhin schlafen die Alpencrossnovizen in der Nacht. Er gönnte sich beim RAAM nur ein paar Stunden Schlaf – in neun Tagen
Wir lassen die anderen hinten und stürzen uns Richtung Tal. Es hat sich bei uns auch im Downhill-Ranking nichts geändert. Pierre übernimmt die Spitze und wir folgen ihm den Trail hinunter. Der Junge kanns eben, nicht nur bergauf, sondern auch bergab. Ich bin gespannt, wie er sich vom Tuxerjoch runter in das Schmirntal anstellen wird, der Trail hat schon viele Biker absatteln lassen. Hält unser RAAM-Sieger der Herausforderung stand? Bevor die Challenge startet, müssen wir in Hintertux nochmal das kleine Ritzel einlegen und bergauf hoch zum Tuxerjochhaus treten. Die ersten Meter meinen es noch gut mit uns, doch schon bald zeigt der lange Anstieg sein wahres Gesicht. Besonders die letzten Kehren sind zumindest für mich unfahrbar. Meine Kraft ist am Ende. Und Pierre? Der sitzt schon im Gastgarten des Tuxerjochhauses und genießt den Ausblick hinüber zum Hintertuxer Gletscher. Für alpines Sightseeing bleibt für uns jetzt nicht viel Zeit. Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir starten Richtung Trail runter in das Schmirntal. Wie eine lange Freeride-Line zieht sich der Trail bis zu einer markanten Kante, bis er sich dann immer steiler werdend in das Schmirntal windet. Ich habe schon viel über diesen berühmt-berüchtigten Trail gehört und gelesen. Unfahrbar, gefährlich, verblockt? Wir werden gleich sehen, ob die Geschichten darüber auch wahr sind. Pierre übernimmt in gewohnter Manier das Kommando und tänzelt mit seinem Bike gekonnt durch die ersten Spitzkehren. Thomas und ich versuchen an seinem Hinterrad zu bleiben und nicht nach vorne abzusteigen. Mir wird nach den ersten drei Kehren bewusst, die Gerüchte stimmen. Zumindest für mich, ich muss immer öfter absteigen und das Bike tragen. Und Pierre? Der trägt auch. Das Schmirntal empfängt uns mit einer angenehmen Ruhe. Das Seitental des Brenners ist nur wenigen bekannt und es verirren sich nur Naturliebhaber und Wanderer hierher. Die verschlafenen Dörfer empfangen uns mit einer Freundlichkeit, die ich aus den Alpen nur selten kenne. Pierre, Thomas und ich rollen das Tal hinaus und suchen uns ein Bett für die Nacht.
Tag drei steht im Zeichen der Höhenmeter, über zwei lange Anstiege führt die dritte Etappe in das Stubaital. Schön langsam spüre ich die vielen Höhenmeter in den Beinen. Nur mit Mühe komme ich auf mein Bike, während Pierre schon losrollt. Die Schmerzen während der dritten Etappe möchte ich hier nicht erwähnen. Mehrmals steht meine Aufgabe zur Diskussion und auch Thomas leckt schon das
Blut von seinen Waden. Genau in diesem Moment macht Pierre das, was er neben dem Radfahren am besten kann. Durch seine Motivationskünste halte ich durch und erreiche unser Quartier. Was er mir gesagt hat? Nicht viel, ich solle mich ablenken und den Schmerz vergessen. Wenn das immer so einfach wäre.
Die letzte Etappe hat es noch einmal richtig in sich. Vom Stubaital aus wartet auf uns die letzte Prüfung der Tirol-Runde. Die Starkenburger-Hütte thront 1200 Höhenmeter über unseren Köpfen und wartet darauf, erobert zu werden. Wir starten in Fulpmes und nehmen die Herausforderung an. In langen Serpentinen zieht sich die Schotterstraße Richtung Hütte. Wir blicken über fast das ganze Tal hinweg und genießen die letzten Sonnenstrahlen der Saison. Ich kann noch einmal die letzten Kräfte aktivieren und den langen Anstieg zur Hütte ohne Probleme bewältigen. Auch am letzten Tag zeigt uns Pierre erbarmungslos seine Überform. Was ich aus der Viertagestour gelernt habe? Ich werde nie das RAAM fahren, geschweigen denn gewinnen, ich sollte mehr am Rad trainieren und ich werde bestimmt bald wieder mit den beiden Jungs auf Tour gehen. Fußball mit Beckham? Da ist Biken mit Bischoff schon erlebnisreicher.

Vier Tage, vier Täler

In vier Tagen durch das Zillertal, Schmirntal, Stubaital und das Inntal. Dazu noch in Begleitung eines Extremradfahrers. Da kann man schon an seine persönlichen Grenzen stoßen. Mountainbiker und Autor der Geschichte Heiko Mandl hat das auf der Runde erleben dürfen und wird die Tour so schnell nicht vergessen. Im Positiven, wie die schönen Berglandschaften, und im Negativen, wie die Qualen bergauf, betrachtet.
TEXT & Foto: Heiko Mandl

Wie es sich anfühlt, mit David Beckham Fußball zu spielen? Keine Ahnung. Aber ich kann zumindest sagen, wie es ist, mit einem Race-Across-America-Sieger durch die Tiroler Berge zu radeln. Wer es noch nicht weiß: Das Race Across America (RAAM) ist mit über 5000 Kilometern das härteste Radrennen der Welt. Die Teilnehmer fahren die Strecke aber nicht in Etappen, sondern nonstopp. Pierre Bischoff hat es gewonnen, mit gut 9 Tagen im Sattel. 

Mit genau diesem Herrn Bischoff bin ich nun in Österreichs Alpen unterwegs. Für mich ist Tirol biketechnisch Neuland, für Pierre ist das Bundesland seine zweite Heimat. Der Deutsche lebt schon seit ein paar Jahren in Nauders, arbeitet als Bikeguide und ist schon gespannt, den Osten Tirols rund um das Zillertal mal unter die Lupe zu nehmen. Der Dritte im Bunde heißt Thomas, kommt aus Wien und sitzt jede freie Minuten am Bike. Er will wissen, wie es so ist, mit eine Extremradsportler auf Tour zu gehen. Zwei Österreicher, ein Deutscher, ein gemeinsamer Plan.

Der lautet: In vier Tagen durch das Zillertal, am Brenner vorbei und weiter in das Stubaital bis nach Innsbruck. Also fast halb so lange im Sattel wie beim Race Across America, von der Zeit her. Nur eben keine gut 2000 Kilometer, sondern schwache 143 Kilometer, einige Höhenmeter – nicht auf Asphalt, sondern mit dem Bike auf Trails und Schotterpisten. Bereits auf den ersten Rampen vom Inntal hoch zur Weidener Hütte zeigt uns Pierre seine Stärken und wir ihm unsere Schwächen. Der Radfreak macht auch am Bike eine sehr gute Figur und so ist es kein Wunder, dass der RAAM-Sieger schon sein zweites Bier bestellt, während wir erst bei der Hütte ankommen. Wir haben uns die vier Etappen so eingeteilt, dass genug Zeit bleibt, die schöne Tiroler Alpenlandschaft zu genießen und ausreichend Pausen machen zu können. Anders als beim RAAM fahren wir ja nicht auf Zeit, sondern wollen vom Alltag abschalten und die Trails zu 100 % auskosten. Die erste Etappe ist also geschafft, wir sitzen vor der Weidener Hütte und schauen rüber in das Karwendel, das von den letzten Sonnenstrahlen beleuchtet wird.
Der zweite Tag führt uns in das schöne Zillertal. Das langgezogene Tal ist ein einziger Spielplatz für Funsportler. Sommer wie Winter. Während in der kalten Jahreszeit die Skifahrer und Freerider ihre Lines Richtung Tal ziehen, rocken im Sommer die Biker die Trails. So wie wir. Wir haben bereits früh am Morgen die letzten Meter hoch zum Geiseljoch hinter uns gebracht und machen uns bereit für die erste lange Abfahrt hinunter in das Tuxer Tal. Die Bergspitzen sind bereits sanft in Schnee gehüllt und die Gletscher leuchten statt im schmutzigen Sommergrau in reinem Persilweiß zu uns rüber. Wir sind hier oben nicht alleine. Viele Alpencrosser begleiten uns nach unten. Für sie ist es heuer die wahrscheinlich letzte Möglichkeit für eine Alpenüberquerung. Bis zu acht Tage sind sie unterwegs an den Gardasee. Pierre schmunzelt dabei nur. Immerhin schlafen die Alpencrossnovizen in der Nacht. Er gönnte sich beim RAAM nur ein paar Stunden Schlaf – in neun Tagen
Wir lassen die anderen hinten und stürzen uns Richtung Tal. Es hat sich bei uns auch im Downhill-Ranking nichts geändert. Pierre übernimmt die Spitze und wir folgen ihm den Trail hinunter. Der Junge kanns eben, nicht nur bergauf, sondern auch bergab. Ich bin gespannt, wie er sich vom Tuxerjoch runter in das Schmirntal anstellen wird, der Trail hat schon viele Biker absatteln lassen. Hält unser RAAM-Sieger der Herausforderung stand? Bevor die Challenge startet, müssen wir in Hintertux nochmal das kleine Ritzel einlegen und bergauf hoch zum Tuxerjochhaus treten. Die ersten Meter meinen es noch gut mit uns, doch schon bald zeigt der lange Anstieg sein wahres Gesicht. Besonders die letzten Kehren sind zumindest für mich unfahrbar. Meine Kraft ist am Ende. Und Pierre? Der sitzt schon im Gastgarten des Tuxerjochhauses und genießt den Ausblick hinüber zum Hintertuxer Gletscher. Für alpines Sightseeing bleibt für uns jetzt nicht viel Zeit. Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir starten Richtung Trail runter in das Schmirntal. Wie eine lange Freeride-Line zieht sich der Trail bis zu einer markanten Kante, bis er sich dann immer steiler werdend in das Schmirntal windet. Ich habe schon viel über diesen berühmt-berüchtigten Trail gehört und gelesen. Unfahrbar, gefährlich, verblockt? Wir werden gleich sehen, ob die Geschichten darüber auch wahr sind. Pierre übernimmt in gewohnter Manier das Kommando und tänzelt mit seinem Bike gekonnt durch die ersten Spitzkehren. Thomas und ich versuchen an seinem Hinterrad zu bleiben und nicht nach vorne abzusteigen. Mir wird nach den ersten drei Kehren bewusst, die Gerüchte stimmen. Zumindest für mich, ich muss immer öfter absteigen und das Bike tragen. Und Pierre? Der trägt auch. Das Schmirntal empfängt uns mit einer angenehmen Ruhe. Das Seitental des Brenners ist nur wenigen bekannt und es verirren sich nur Naturliebhaber und Wanderer hierher. Die verschlafenen Dörfer empfangen uns mit einer Freundlichkeit, die ich aus den Alpen nur selten kenne. Pierre, Thomas und ich rollen das Tal hinaus und suchen uns ein Bett für die Nacht.
Tag drei steht im Zeichen der Höhenmeter, über zwei lange Anstiege führt die dritte Etappe in das Stubaital. Schön langsam spüre ich die vielen Höhenmeter in den Beinen. Nur mit Mühe komme ich auf mein Bike, während Pierre schon losrollt. Die Schmerzen während der dritten Etappe möchte ich hier nicht erwähnen. Mehrmals steht meine Aufgabe zur Diskussion und auch Thomas leckt schon das
Blut von seinen Waden. Genau in diesem Moment macht Pierre das, was er neben dem Radfahren am besten kann. Durch seine Motivationskünste halte ich durch und erreiche unser Quartier. Was er mir gesagt hat? Nicht viel, ich solle mich ablenken und den Schmerz vergessen. Wenn das immer so einfach wäre.
Die letzte Etappe hat es noch einmal richtig in sich. Vom Stubaital aus wartet auf uns die letzte Prüfung der Tirol-Runde. Die Starkenburger-Hütte thront 1200 Höhenmeter über unseren Köpfen und wartet darauf, erobert zu werden. Wir starten in Fulpmes und nehmen die Herausforderung an. In langen Serpentinen zieht sich die Schotterstraße Richtung Hütte. Wir blicken über fast das ganze Tal hinweg und genießen die letzten Sonnenstrahlen der Saison. Ich kann noch einmal die letzten Kräfte aktivieren und den langen Anstieg zur Hütte ohne Probleme bewältigen. Auch am letzten Tag zeigt uns Pierre erbarmungslos seine Überform. Was ich aus der Viertagestour gelernt habe? Ich werde nie das RAAM fahren, geschweigen denn gewinnen, ich sollte mehr am Rad trainieren und ich werde bestimmt bald wieder mit den beiden Jungs auf Tour gehen. Fußball mit Beckham? Da ist Biken mit Bischoff schon erlebnisreicher.

Vier Tage, vier Täler

In vier Tagen durch das Zillertal, Schmirntal, Stubaital und das Inntal. Dazu noch in Begleitung eines Extremradfahrers. Da kann man schon an seine persönlichen Grenzen stoßen. Mountainbiker und Autor der Geschichte Heiko Mandl hat das auf der Runde erleben dürfen und wird die Tour so schnell nicht vergessen. Im Positiven, wie die schönen Berglandschaften, und im Negativen, wie die Qualen bergauf, betrachtet.
TEXT & Foto: Heiko Mandl

Wie es sich anfühlt, mit David Beckham Fußball zu spielen? Keine Ahnung. Aber ich kann zumindest sagen, wie es ist, mit einem Race-Across-America-Sieger durch die Tiroler Berge zu radeln. Wer es noch nicht weiß: Das Race Across America (RAAM) ist mit über 5000 Kilometern das härteste Radrennen der Welt. Die Teilnehmer fahren die Strecke aber nicht in Etappen, sondern nonstopp. Pierre Bischoff hat es gewonnen, mit gut 9 Tagen im Sattel. 

Mit genau diesem Herrn Bischoff bin ich nun in Österreichs Alpen unterwegs. Für mich ist Tirol biketechnisch Neuland, für Pierre ist das Bundesland seine zweite Heimat. Der Deutsche lebt schon seit ein paar Jahren in Nauders, arbeitet als Bikeguide und ist schon gespannt, den Osten Tirols rund um das Zillertal mal unter die Lupe zu nehmen. Der Dritte im Bunde heißt Thomas, kommt aus Wien und sitzt jede freie Minuten am Bike. Er will wissen, wie es so ist, mit eine Extremradsportler auf Tour zu gehen. Zwei Österreicher, ein Deutscher, ein gemeinsamer Plan.

Der lautet: In vier Tagen durch das Zillertal, am Brenner vorbei und weiter in das Stubaital bis nach Innsbruck. Also fast halb so lange im Sattel wie beim Race Across America, von der Zeit her. Nur eben keine gut 2000 Kilometer, sondern schwache 143 Kilometer, einige Höhenmeter – nicht auf Asphalt, sondern mit dem Bike auf Trails und Schotterpisten. Bereits auf den ersten Rampen vom Inntal hoch zur Weidener Hütte zeigt uns Pierre seine Stärken und wir ihm unsere Schwächen. Der Radfreak macht auch am Bike eine sehr gute Figur und so ist es kein Wunder, dass der RAAM-Sieger schon sein zweites Bier bestellt, während wir erst bei der Hütte ankommen. Wir haben uns die vier Etappen so eingeteilt, dass genug Zeit bleibt, die schöne Tiroler Alpenlandschaft zu genießen und ausreichend Pausen machen zu können. Anders als beim RAAM fahren wir ja nicht auf Zeit, sondern wollen vom Alltag abschalten und die Trails zu 100 % auskosten. Die erste Etappe ist also geschafft, wir sitzen vor der Weidener Hütte und schauen rüber in das Karwendel, das von den letzten Sonnenstrahlen beleuchtet wird.
Der zweite Tag führt uns in das schöne Zillertal. Das langgezogene Tal ist ein einziger Spielplatz für Funsportler. Sommer wie Winter. Während in der kalten Jahreszeit die Skifahrer und Freerider ihre Lines Richtung Tal ziehen, rocken im Sommer die Biker die Trails. So wie wir. Wir haben bereits früh am Morgen die letzten Meter hoch zum Geiseljoch hinter uns gebracht und machen uns bereit für die erste lange Abfahrt hinunter in das Tuxer Tal. Die Bergspitzen sind bereits sanft in Schnee gehüllt und die Gletscher leuchten statt im schmutzigen Sommergrau in reinem Persilweiß zu uns rüber. Wir sind hier oben nicht alleine. Viele Alpencrosser begleiten uns nach unten. Für sie ist es heuer die wahrscheinlich letzte Möglichkeit für eine Alpenüberquerung. Bis zu acht Tage sind sie unterwegs an den Gardasee. Pierre schmunzelt dabei nur. Immerhin schlafen die Alpencrossnovizen in der Nacht. Er gönnte sich beim RAAM nur ein paar Stunden Schlaf – in neun Tagen
Wir lassen die anderen hinten und stürzen uns Richtung Tal. Es hat sich bei uns auch im Downhill-Ranking nichts geändert. Pierre übernimmt die Spitze und wir folgen ihm den Trail hinunter. Der Junge kanns eben, nicht nur bergauf, sondern auch bergab. Ich bin gespannt, wie er sich vom Tuxerjoch runter in das Schmirntal anstellen wird, der Trail hat schon viele Biker absatteln lassen. Hält unser RAAM-Sieger der Herausforderung stand? Bevor die Challenge startet, müssen wir in Hintertux nochmal das kleine Ritzel einlegen und bergauf hoch zum Tuxerjochhaus treten. Die ersten Meter meinen es noch gut mit uns, doch schon bald zeigt der lange Anstieg sein wahres Gesicht. Besonders die letzten Kehren sind zumindest für mich unfahrbar. Meine Kraft ist am Ende. Und Pierre? Der sitzt schon im Gastgarten des Tuxerjochhauses und genießt den Ausblick hinüber zum Hintertuxer Gletscher. Für alpines Sightseeing bleibt für uns jetzt nicht viel Zeit. Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu und wir starten Richtung Trail runter in das Schmirntal. Wie eine lange Freeride-Line zieht sich der Trail bis zu einer markanten Kante, bis er sich dann immer steiler werdend in das Schmirntal windet. Ich habe schon viel über diesen berühmt-berüchtigten Trail gehört und gelesen. Unfahrbar, gefährlich, verblockt? Wir werden gleich sehen, ob die Geschichten darüber auch wahr sind. Pierre übernimmt in gewohnter Manier das Kommando und tänzelt mit seinem Bike gekonnt durch die ersten Spitzkehren. Thomas und ich versuchen an seinem Hinterrad zu bleiben und nicht nach vorne abzusteigen. Mir wird nach den ersten drei Kehren bewusst, die Gerüchte stimmen. Zumindest für mich, ich muss immer öfter absteigen und das Bike tragen. Und Pierre? Der trägt auch. Das Schmirntal empfängt uns mit einer angenehmen Ruhe. Das Seitental des Brenners ist nur wenigen bekannt und es verirren sich nur Naturliebhaber und Wanderer hierher. Die verschlafenen Dörfer empfangen uns mit einer Freundlichkeit, die ich aus den Alpen nur selten kenne. Pierre, Thomas und ich rollen das Tal hinaus und suchen uns ein Bett für die Nacht.
Tag drei steht im Zeichen der Höhenmeter, über zwei lange Anstiege führt die dritte Etappe in das Stubaital. Schön langsam spüre ich die vielen Höhenmeter in den Beinen. Nur mit Mühe komme ich auf mein Bike, während Pierre schon losrollt. Die Schmerzen während der dritten Etappe möchte ich hier nicht erwähnen. Mehrmals steht meine Aufgabe zur Diskussion und auch Thomas leckt schon das
Blut von seinen Waden. Genau in diesem Moment macht Pierre das, was er neben dem Radfahren am besten kann. Durch seine Motivationskünste halte ich durch und erreiche unser Quartier. Was er mir gesagt hat? Nicht viel, ich solle mich ablenken und den Schmerz vergessen. Wenn das immer so einfach wäre.
Die letzte Etappe hat es noch einmal richtig in sich. Vom Stubaital aus wartet auf uns die letzte Prüfung der Tirol-Runde. Die Starkenburger-Hütte thront 1200 Höhenmeter über unseren Köpfen und wartet darauf, erobert zu werden. Wir starten in Fulpmes und nehmen die Herausforderung an. In langen Serpentinen zieht sich die Schotterstraße Richtung Hütte. Wir blicken über fast das ganze Tal hinweg und genießen die letzten Sonnenstrahlen der Saison. Ich kann noch einmal die letzten Kräfte aktivieren und den langen Anstieg zur Hütte ohne Probleme bewältigen. Auch am letzten Tag zeigt uns Pierre erbarmungslos seine Überform. Was ich aus der Viertagestour gelernt habe? Ich werde nie das RAAM fahren, geschweigen denn gewinnen, ich sollte mehr am Rad trainieren und ich werde bestimmt bald wieder mit den beiden Jungs auf Tour gehen. Fußball mit Beckham? Da ist Biken mit Bischoff schon erlebnisreicher.

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