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In luftiger Höhe

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Die Wilde Kaiserin

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Einmal einen Klettersteig gehen. Nachdem ich ein Haus gebaut und einen Baum gepflanzt habe, ist es nun an der Zeit dafür. Der Klettersteig am Reintalersee, so lautet meine Wahl. Er gehört zwar nicht zu den leichtesten Klettersteigen in der Gegend, aber der Ausblick auf den See soll mich für die Mühen entschädigen.
TEXT & Foto: Heiko Mandl
In den letzten Jahren ist das Begehen von Klettersteigen immer beliebter geworden. Zeit für mich, auch einmal in der Vertikalen mein Glück zu versuchen und am Drahtseil entlang Höhenluft zu schnuppern. »Der Klettersteig am Reintalersee ist zu empfehlen«, rät mir Georg. Er hat ihn schon mehrmals durchstiegen und kennt jede Ecke und Kante in der Felswand. Zufällig hat er morgen am Vormittag Zeit und würde mich gerne bei meinem Vorhaben begleiten. Da kann ich fast nicht Nein sagen und zudem ist es nicht von Nachteil, wenn ein erfahrener Klettersteig-Spezialist mit Tipps und Tricks zur Seite steht. Dabei wird der Sport oft unterschätzt. Es passieren aber immer wieder Unfälle, meistens durch Überschätzung der eigenen Kondition. Das sollte mir nicht passieren, ich gehe mit viel Respekt an
die Sache ran und informiere mich zuerst über den Klettersteig im Inntal. In der Wand wurden zwei Routen errichtet, die sich über 250 Höhenmeter durch die Wand ziehen. Der erste, leichtere Steig zieht sich nach ca. 50 Metern nach rechts über steile Platten nach oben und ist auf der fünfteiligen Skala (von A – leicht bis F sehr schwer) mit C/D bewertet. Die linke Variante besitzt die Schwierigkeit F und ist nur etwas für erfahrene Kletterer. Wer nicht mehr weiterkommt, muss beim Klettersteig wieder zurück nach unten, was zum Teil anstrengender ist als nach oben zu kommen. Ich gehe kurz in mich und entscheide mein Vorhaben zu starten.
Am nächsten Tag stehe ich mit Georg beim Parkplatz am Reintalersee und blicke ehrfürchtig hoch zur Wand. Ich dachte mir nicht, dass 250 Meter so hoch wirken können. Steil ziehen sich die Wände über der Baumgrenze in den Himmel hoch. »Kannst du das Dach in der Mitte der Wand sehen?«, fragt mich Georg. Dort führt die sportliche Variante durch den Fels. Meist überhängend und ausgesetzt. Bevor wir in die Wand einsteigen, steht uns noch der Anstieg durch den Wald bevor. In 20 Minuten sollten wir dann endlich die Gurte anlegen können. Nach ein paar Minuten öffnet sich auch der Blick zum See und dem Inntal. Für das Panorama habe ich in dem Moment aber keinen Kopf. Beim Blick nach oben wirkt die Wand immer steiler und imposanter. Mit Schweiß auf der Stirn kommen wir schließlich zum Einstieg in die Tour. Mein Blick fällt sogleich auf ein Schild, wo die Route gut aufgegliedert ist und die einzel

»Der Klettersteig darf nicht unterschätzt werden und beginnt gleich mit einer der schwersten Stellen in der Wand.«

Georg Rupprechter, Bergfex

nen Teile erklärt werden. Anfangs wartet sogleich eine Stelle mit der Schwierigkeit D, bevor es dann wieder leichter wird. Wir legen unsere Gurte an, befestigen die Klettersteigsets und setzen die Helme auf. Ein Klettersteigset besteht aus zwei Bandschlingen, an deren Ende zwei Karabiner befestigt sind. Ein Karabiner muss immer am Drahtseil eingehängt sein, während man den anderen in das nächste Seilstück über dem Eisenstift einhängt. So ist man in der Wand immer mit zumindest einem Ende gesichert.
Beim Hochgehen darf man natürlich neben dem Fels auch das Drahtseil oder Eisenstufen verwenden, um nach oben zu kommen. So ziehe ich mich die ersten Meter hoch. Viele Tritte sind nicht im Fels, kein Wunder bei der Schwierigkeit zu Beginn, doch nach der ersten Querung kann ich erstmal durchschauen und den Blick ins Tal genießen. Nach einem weiteren Anstieg kommt nun die Abzweigung, wo sich die Kletterer zwischen dem linken, sportlichen Steig und dem rechten entscheiden müssen. Beim Blick in das Dach fällt die Entscheidung leicht. Rechts, alles andere wäre purer Leichtsinn. 

So kämpfen wir uns die Platten nach rechts hoch. Immer wieder helfen mir
Eisenstufen beim Hochklettern. Aber dennoch, die Arme sind bald weich wie Butter. Oder besser gesagt hart. Die Muskeln sind verkrampft und die Kraft lässt nach.
Gott sei Dank wird der Steig zum Ende hin leichter und wir hanteln uns über Grasbänke und Wege Richtung Ausstieg. Nach knapp zwei Stunden haben wir es geschafft, wir stehen am Ende des Klettersteigs und blicken in die Tiefe. Etwas Stolz kommt in mir hoch, mein erster Klettersteig! Aber noch sind wir nicht am Ende, der Abstieg führt über der Wand zum Forstweg, der uns wieder sicher nach unten bringt. Alternativ könnten wir auch wieder über den Steig nach unten klettern, was jedoch bei viel Verkehr in der Wand nicht zu raten ist. Jetzt stehe ich wieder unten am Parkplatz und blicke noch einmal zurück zur Wand. »Georg was machst du morgen?«, frage ich.

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