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Hike and Fly

Die Bergheimat

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Die Wilde Kaiserin

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Einmal Vogel spielen und durch die Lüfte segeln. Für Helmut und Julian ist das fast schon Alltag. Sie kennen mit ihren Paragleitschirmen die Region rund um das untere Inntal wie ihre eigene Westentasche. Das heutige Ziel ist die Seekarspitze am Achensee und natürlich der Flug von knapp über 2000 Metern bis zum Achensee.
TEXT: Heiko Mandl Foto: GPHOTO / Helmut Dersch

Ich durfte sie bei ihrem Abenteuer begleiten und in die Welt des Paragleitens reinschnuppern. Aber bevor es in die Luft geht, haben wir noch einen schweißtreibenden Anstieg vor uns. Unser Ziel für heute: Die Seekarspitze (2053 m) am nördlichen Westufer des Achensees und an der östlichen Begrenzung des Karwendels in Tirol. Wir starten kurz vor 9 Uhr und machen uns auf den Weg Richtung Gipfel. Die Wetterprognose sagt einen sehr heißen Tag mit herrlichem Westwind voraus. Ideal für den Flug vom Gipfel. Zudem wartet ein neues Gipfelkreuz auf uns, aus Granit soll es sein und imposant in der Höhe stehen.
Wir starten mit unseren Gleitschirmen am Rücken vom Wanderparkplatz aus und folgen einer steilen Forststraße der Beschilderung in Richtung Seekarspitze und der Seekaralm (1500 m). Die Abzweigung zur Gaisalm lassen wir links liegen und bewegen uns weiter nach oben. Die Straße ist teilweise relativ steil und wir gewinnen schnell an Höhe. Nach einigen Kehren haben wir das erste Mal einen wunderschönen Blick hinab auf den Achensee. Türkisblau glänzt er aus dem Tal zu uns empor. Die vielen Schiffe wirken hier wie Spielzeugboote, dazwischen erkennen wir den einen oder anderen Windsurfer. Etwas später, kurz vor der privaten Koglalm, sieht man mit der Seekarspitze bereits das Tagesziel und den breiten Rücken, über den wir ab der Seekaralm zum Gipfel aufsteigen werden. Kurz nach der Überquerung eines Bachbetts wechseln wir wieder nach links, von der Forststraße auf einen Pfad, der uns zur bewirtschafteten Seekaralm führt.
Es ist kurz vor zehn, doch die prognostizierte Hitze lässt uns bereits ordentlich schwitzen und wir stärken uns kurz mit einem kalten Radler. Aber das Ziel liegt ja noch 500 Meter oberhalb. Zeit um aufzubrechen und den letzten Teil unserer Wanderung zu meistern. Ab der Seekaralm folgen wir weiter der gut ersichtlichen Markierung. Der Pfad geht zunächst moderat bergauf und wird dann entlang des Bergrückens teilweise steil und ausgesetzt, kurze Passagen verlangen auch etwas Klettergeschick. Die Wegfindung ist durch Markierungen erleichtert, grundsätzlich bewegen wir uns aber direkt am Grat oder leicht rechts davon. Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Gehzeit stehen wir schließlich am Gipfel und können uns in alle Himmelsrichtungen am Panorama sattsehen. Im Osten das Rofan, im Westen das Karwendel und unter den Füßen der herrlich blaue Achensee!

Die Aussicht am Gipfel ist sensationell, muss aber verdient werden. Auch für uns! Gerade der obere Teil ist sehr felsig und es gibt einige leichte Kletterstellen, für welche man trittsicher sein sollte. Wer hier hinauf will, der muss wissen, was er in den Bergen tut.
Das Gipfelkreuz ist schnell gefunden – leider können wir aber kein neues Kreuz entdecken. Aber nicht so schlimm, wir sind ja nicht wegen dem Kreuz hier, sondern wegen unserem bevorstehenden Flug ins Tal.
Wir genießen die Aussicht und unsere mitgebrachte Jause. Der Wind kommt deutlich schwächer als prognostiziert – aber dafür nicht rein aus westlicher Richtung. Nach der Stärkung machen wir uns auf einem kleinen, mit Latschen durchsetzten Wiesenstück startbereit. Wir breiten unsere Schirme aus und legen das Gurtzeug an.
Der Start gelingt problemlos, mit wenigen Schritten laufen wir die steile Westflanke des Berges hinab und in Sekunden sind wir »Airborne«. Vorsichtig suchen wir nach den ersten Thermiken und können uns über den Gipfel hocharbeiten. Uns tut sich ein traumhafter Blick auf die Leute am Berg, den Achensee und die umgebenden Berge auf. Die kühle Luft und die Gewissheit, nicht mehr zu Fuß den Berg wieder hinuntergehen zu müssen, zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht und wir nutzen die Thermiken, um über eine Stunde zwischen Karwendel und Rofan zu fliegen.
Immer wieder rüttelt der Wind an unseren Schirmen und zeigt uns, dass ab einer Höhe von ca. 2.000 m aufwärts der Wind doch stärker wird und zunimmt. Mit etwa 2.600 m Höhe queren wir über das Tal zum Gipfel des Unnützs und statten dort den Gipfelstürmern einen kurzen Besuch ab, welche dort die Aussicht genießen.
Bald darauf entschließen wir uns zu landen. Direkt neben dem Auto haben wir wieder Kontakt mit dem Boden bzw. mit der frisch gemähten Wiese. Der Boden hat uns wieder und auch die inzwischen drückende Hitze lässt uns wieder den Schweiß aus den Poren treten, während wir unsere Ausrüstung zusammenpacken und wieder in den Rucksäcken verstauen. Etwas müde und ziemlich verschwitzt lassen wir die Tour bei einem kalten Weissbier ausklingen.
Aber da war doch noch was – wo war denn das neue Gipfelkreuz ?! Auch dieses Rätsel konnten wir mit Unterstützung einer ortsansässigen Kellnerin noch lösen: unsere Tour hat uns auf den Gipfel der Seekarspitze im Karwendel geführt. Wer aber das neue Gipfelkreuz sehen will – der muss die Seekarlspitze im gegenüberliegenden Rofan besuchen. Knapp daneben ist eben doch vorbei.

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